Cairo Contemporary Music Days


José M. Sánchez-Verdú: GRAMMA
Jardines de la escritura/Gärten der Schrift
Kammeroper (2004–2006)
Konzeption: Mirella Weingarten und Sabrina Hölzer
Neue Vocalsolisten
Sarah Sun, Sopran
Truike van der Poel, Mezzosopran
Martin Nagy, Tenor
Guillermo Anzorena, Bariton
Andreas Fischer, Bass
Gäste
Frank Bossert, Tenor
Matthias Horn, Bass
Ensemble bcn216
Musikalische Leitung José Maria Sánchez-Verdú
Vor Ihnen liegt Schrift. Was Sie hören, entsteht aus Schrift. Musiker sind über Ihren Köpfen. Sie sind nicht das Gegenüber einer Bühne, von der aus Ihnen zugespielt und -gesungen wird. Als Zuschauer und Hörer werden Sie in die Erfahrung des Lesens gebeten. Zeichen des Lichts fordern still, mit der Musik die Gärten der Schrift virtuell zu durchwandern. Gärten–das sind poetische Stationen der Musik, Klangszenen von ausgeprägter Eigenart, verbunden durch Zeichen der Erinnerung, manchmal durchzogen von Klangspuren des Schreibens selbst. Gärten, das sind Stationen der Geschichte, des Wissens, der Mythen, von denen wir ohne Schrift keine Kenntnis hätten. Sie reflektieren sich im Text, in Zeichen, in Klängen. Es sind Stationen des Erinnerns und Vergessens, des Urkonflikts am Anfang der Schrift: Dient sie unserem Erinnern, weil wir in ihr niederlegen und weitergeben können, was wir wissen, denken, glauben, fühlen? Oder dient sie dem Vergessen, weil wir in ihr veräußern, was in uns war?
José M. Sánchez-Verdú verwendet die Metapher »Gärten« gern für seine Kompositionen. Gärten sind Eintragungen der Menschen ins Buch der Natur, labyrinthisch, exzentrisch, schön; manchmal wie Zeichen einer Schrift, die wir noch nicht decodiert haben. Wie eine Passage durch Denk-, Kommunikations- und Geschichtswelten ist GRAMMA angelegt, der heutige Hörer inmitten.
Quelle: Zeitgenössische Oper Berlin

© Patrica Díez