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Südseite nachts

12.12.2014 Stuttgart / Theaterhaus P1

Bernhard Lang: Hermetica V für sieben Stimmen und Bassklarinette (2012)
 
Maudite soit la guerre
Stummfilm von Alfred Machin (1914) mit Musik von Olga Neuwirth (2014) DE
 
Neue Vocalsolisten
Gareth Davis, Klarinette
ensemble 2e2m Paris
Pierre Roullier, Leitung

Logo_Innovationsfonds Kunst BW
 
Dieser Abend in der Reihe "Südseite nachts" stellt Werke von zwei Solitären der österreichischen Komponistenszene vor: Am Beginn steht Bernhard Langs "Hermetica V" auf dem Programm. Der Komponist selbst beschreibt sein Werk als ein virtuos angelegtes Spiel mit der Verwandlung von Sprache(n) in Klang:
"Hermetica V ist Teil einer Reihe von Chorstücken, die auf einer Zusammenstel-lung hermetischer Texte beruhen, ausgehend von antiken mystischen Schriften kommen in diesem Stück Texte vor bis hin zu gewissermaßen enigmatischen Codes von dadaistischem Zuschnitt: darin werden die Klangwelten von Spra-chen imaginiert, oder hören sich zumindest so an ohne dass sie tatsächlich zu verstehen wären; Sprache wird vollkommen in Klang verwandelt, irgendwel-cher sinnlose Kauderwelsch scheint sich mit Bedeutung anzufüllen und Zeichen mit Projektionen sowie persönlicher Interpretation; das können auch innere Stimmen sein, Stimmen von Engeln und Dämonen, so wie es in Trance oder im Zustand des Schlafs geschieht, ähnlich den Stimmen, wie sie in mittelalterlichen magischen Büchern beschrieben sind.
Die musikalische Maschinerei der Differenzierung – Wiederholungen von Loops habe ich sowohl für die Analyse wie für die Hervorbringung von Klängen be-nutzt, bisweilen in beharrlicher Art und Weise bisweilen in variativer Art.
Die Bassklarinette spielt in dem Stück die Rolle einer weiteren Stimme, die in einem Solo in eine Art archaisches Instrument verwandelt wird, mit Hilfe einer neuen Technik namens „Parkerphonics“, die auf Transkriptionen von Stücken Evan Parkers basiert."
Bernhard Lang, Graz

Im zweiten Konzertteil ist die Deutsche Erstaufführung des Film-Musik-Projekts „Maudite soit la Guerre“ („Verflucht sei der Krieg“) - ein „Film Music War Requiem“ (2014) von Olga Neuwirth programmiert. Zu sehen ist der gleichnamige Stummfilm von Alfred Machin. Kurz vor dem Beginn des ersten Weltkriegs entstanden, erzählt der Film die Geschichte einer unmöglichen Freundschaft und Liebe zu Zeiten des Krieges. Alfred Machin hat mit diesem Film von düsteren Vorahnungen erfüllt ein leidenschaftliches Plädoyer für Frieden und Toleranz geschaffen. Olga Neuwirth hat sich für ihre Musikalisierung des Stoffs 100 Jahre später intensiv mit der musikalischen Tradition und dem Instrumentarium der Stummfilm-Ära auseinander gesetzt.
In einem Interview betonte sie auch ihr gesellschaftspolitisches Engagement als Impuls gebend für diese Arbeit:

"Diese Welt ist von einer ungeheuerlichen Grausamkeit. Ich kann es einfach nicht akzeptieren. Und aus dem Grund, es nicht akzeptieren zu können, komponiere ich seit meinem 15. Lebensjahr.
Ich habe nicht den Eindruck, dass wir in Europa schon in einer Gesellschaft leben, in der Herkunft keine Rolle mehr spielt. Deshalb denke ich, dass dieser Film aus dem Jahr 1914 ein ganz besonderer ist, da er nicht nur ein Aufruf zum Pazifismus ist, sondern auch dem persönlichen Drama zweier Familien ein Gesicht gibt und gleichzeitig zeigt, wie entscheidend es ist, uns immer wieder vor Augen zu halten, wie wertvoll, fragil und endlich das Leben ist. Immer, immer und immer wieder: Maudite soit la guerre!"

Die Reihe „Südseite nachts“ ist das Experimental-Forum von Musik der Jahrhunderte für neue künstlerische Ideen und Konzertformen. Dank des Innovationsfonds Kunst des Landes Baden-Württemberg kann die „Südseite“ nun an drei Wochenenden im Dezember 2014, März und Mai 2015 unter der Überschrift „Symposion – Szenen neuer Musik“ vor allem die junge, experimentierfreudige Stuttgarter Neue-Musikszene präsentieren.

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