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24.10.2015 Stuttgart / Theaterhaus P1

"Devices and Desires" entsteht in Zusammenarbeit des Berliner Ensembles Adapter mit den Neuen Vocalsolisten. Beide Ensembles verbindet das experimentelle kammermusikalische Arbeiten und die Recherche nach neuen instrumentalen beziehungsweise vokalen Ausdrucksformen in enger Zusammenarbeit mit Komponistinnen und Komponisten.

Drei junge, in Berlin ansässige Komponisten sind beauftragt, für die beiden Ensembles zu schreiben und neben instrumentalen sowie vokalen Klängen auch mechanische oder elektronische Quellen in die Musik integrieren. Der Titel "Devices and Desires" reflektiert die heutige Normalität von technischen Geräten in unserem Alltag einerseits, eine dahinter liegende Sehnsucht nach emotionaler Erfüllung durch Musik andererseits.

"Devices and Desires" stellt sich der Aufgabe, technische Gegenstände dem Alltag zu entreißen und sie in einen musikalischen Kontext einzubringen. Elektronische Geräte werden zu Musikinstrumenten, Menschen werden zu musikalischen Maschinen. Grenzen werden ausgelotet, Interaktion und Kommunikation werden zum musikalischen Material.

www.ensemble-adapter.de

 

Die Komponisten
Genoël von Lilienstern: Musik als Körperkunst

Genoël von Lilienstern (* 1979) absolvierte seine Kompositionsstudien in Bremen, Den Haag und Berlin u. a. bei Younghi Pagh-Paan, Clarence Barlow und Hanspeter Kyburz. Lilienstern lebt als freischaffender Komponist in Berlin und ist zurzeit Stipendiat der Graduiertenschule an der Universität der Künste. https://soundcloud.com/genoel

Genoël von Lilienstern über seine Musik:
Im Gegensatz zu dem, ätherische Dematerialisation nahelegenden, Begriff der “Musik als Zeitkunst” liegt mein Arbeitsschwerpunkt auf der “Musik als Körperkunst”. Bei der Benutzung von technologischen Körpern, dass heisst von Medien der Klangwiedergabe und Klangerzeugung, gibt es eine Tendenz die Körper die die Musik tragen auszublenden. Der Computer scheint nur zu simulieren, was andere Körper tun oder tun würden. Das Selbe gilt für Lautsprecher. Wenn Musik auf einem Simulationsmedium immer abrufbar ist, verliert sie ihren Wert. Man hat das Gefühl, dass nichts “passiert”. Andere Rezeptionsmechanismen, wie die inhaltliche Aufwertung durch das geschriebene Wort sollen diesen Wertverfall ausgleichen. Die körperlichen Objekte sind aber “da”. Der Lautsprecher ist ein Körper. Der Computer auch. Weil die alten klassischen Klangkörper zu überfrachteten Bildern erstarrt sind, mit denen sich keine Kunst mehr machen lässt, geht es in meinen Kompositionen um die Körperrealität der aktuellen Musikmedien. Der Blick ist gerichtet auf Lautsprecher, Roboter, akustische Flugdrohnen und verkabelte Menschen.

Simon Løffler: Musik durch Interaktion

Simon Løffler (*1980) studierte Komposition bei Bent Sørensen (The Royal Danish Academy of Music) 2002-07, Simon Steen-Andersen (The Royal Academy of Music in Aarhus) 2010-2012 u.a. In 2011-12 nahm er an einem Forschungsprojekt bei a.pass (advanced performance training) in Brussel teil. Er ist Mitbegründer des Komponistenkollektivs DYGONG und lebt in Kopenhagen. Bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik erhielt er in diesem Jahr ein Stipendium zur Teilnahme an den Kursen in 2016. www.simonloeffler.dk

Simon Løffler über seine Musik: "Trying to start over again all the time. Trying to work with many limitations. Trying to progress." Løfflers Arbeiten konzentrieren sich derzeit vor allem auf das Erschaffen neuer Arten von Instrumenten, die auf Interaktion der ausführenden Musiker untereinander basieren. Er arbeitet dabei hauptsächlich mit elektrischen Geräten wie Neonröhren, Stromleitungen oder Audiokabel. Es geht um Herstellung von Stromkreisen, Rückkopplungen u.ä. - immer unter unmittelbarer Beteiligung des menschlichen Körpers. Erst die Gemeinschaft ermöglicht den Klang.

Paul Frick: Mensch vs. Maschine

Paul Frick wurde 1979 in Berlin geboren. Ab 1991 nahm er privaten Kompositionsunterricht bei Il-Ryun Chung. Von 2000 bis 2006 studierte er Komposition bei Friedrich Goldmann an der Universität der Künste Berlin und blieb dort bis 2008 als Meisterschüler. Sein Werk besteht überwiegend aus Kammermusik sowie Theater-, Hörspiel- und Filmmusik. Paul Friedrich Frick ist zudem als Pianist sowie als Produzent, Remixer und Live Performer elektronischer Musik aktiv. Seit 2008 ist das Projekt „Brandt Brauer Frick“, zusammen mit Daniel Brandt und Jan Brauer, zu seinem Mittelpunkt geworden, was ab 2010 auch zum zehnköpfigen „Brandt Brauer Frick Ensemble“ führte.

In seinen Instrumentalkompositionen hat sich Paul Frick stets mit dem Spannungsfeld zwischen Mensch und Maschine auseinandergesetzt. Er benutzt dazu Mittel, die ihm aus seiner Arbeit in der elektronischen Musik bekannt sind. Er bedient sich dabei vor allem analoger Mittel, setzt Geräte wie Loopstation, Drumpads, Diaprojektor o.ä. ein - immer unter Einbeziehung ihrer eigenen Klangcharakteristik oder mit vorproduzierten Samples der echten Instrumente. Musikalisch reflektiert er dabei seine Herkunft aus der elektronischen Clubmusik und bringt tanzbare Beats in einen Kunstmusik-Kontext auf der Konzertbühne.

 

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