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1978: Manfred Schreier gründet Musik der Jahrhunderte

Die Geschichte von Musik der Jahrhunderte ist zunächst eng mit der Biographie von Manfred Schreier verbunden. Als Kirchenmusiker an der Stuttgarter Markuskirche und späterer Bezirkskantor an der Stiftskirche stand Manfred Schreier bereits in den 70er Jahren für die Interpretation zeitgenössischer Musik und das Ergründen ihrer Wurzeln seit der Gregorianik ein. Mit dem von ihm gegründeten Chor, dem Markusvocalensemble Stuttgart, führte er über das bekannte Kirchenmusikrepertoire hinaus alle großen Oratorien des 20. Jahrhunderts auf. 1978 gründete Manfred Schreier Musik der Jahrhunderte zunächst als Trägerverein des Chores.

1980er: Erweiterung um Orchesterkonzerte und Gründung der Neuen Vocalsolisten

Mitte der 80er Jahre begann Manfred Schreier für das Junge Philharmonische Orchester, das ursprünglich als Begleitorchester zum Markusvocalensemble gegründet worden war, selbstständige Orchesterkonzerte zu konzipieren. Zugleich erweiterte er den Wirkungskreis von Musik der Jahrhunderte mit der Gründung der Neuen Vocalsolisten, die in kurzer Zeit als Spezialisten für die solistische Vokalmusik des 20. Jahrhunderts bekannt wurden.

1985: Christine Fischer übernimmt die Geschäftsführung

Die heutige Intendantin von Musik der Jahrhunderte Christine Fischer übernahm 1985 noch während ihres Musikstudiums die Geschäftsführung von Musik der Jahrhunderte und hat seither wesentlichen Anteil an der Entwicklung der Institution.

1989: Hans-Peter Jahn wird Teil des Teams von Musik der Jahrhunderte

Seit Beginn der 80er Jahre prägte der Autor, Cellist und Komponist Hans-Peter Jahn die zeitgenössische Musik in Stuttgart mit den Veranstaltungen des Festivals TAGE FÜR NEUE MUSIK und der Konzertreihe Studio im Planetarium. In der Zeit entstand bereits eine intensive Zusammenarbeit mit Christine Fischer und mit Manfred Schreier, der mit seinen Klangkörpern regelmäßig im Festival vertreten war. 1989 übernahm Hans-Peter Jahn die Redaktion für Neue Musik beim SDR (heute SWR), im gleichen Jahr gliederte er seine freie Veranstaltertätigkeit der Musik der Jahrhunderte an.

Dadurch wurde Musik der Jahrhunderte zu einer Institution, die in ihrer Verbindung von Veranstalter- und Interpretentätigkeit schnell eine wichtige Rolle im Stuttgarter Konzertleben und im Netzwerk europäischer Veranstalter für zeitgenössische Musik übernahm. Sie wurde von Manfred Schreier, Christine Fischer und Hans-Peter Jahn geleitet.

1989-1996: Musiktheater von Musik der Jahrhunderte

Seit Ende der 80er Jahre stand das Musiktheater mehr denn je im Mittelpunkt. Die Neuen Vocalsolisten und das Junge Philharmonische Orchester gastierten unter der Leitung von Manfred Schreier mit Philip Glass' "Einstein on the beach" an der Stuttgarter Staatsoper. 1989 begann mit der halbszenischen Aufführung von Monteverdis "L'Orfeo" eine langjährige Zusammenarbeit mit den Stuttgarter Hofkonzerten, die alljährlich im Sommer vielbeachtete Opernproduktionen mit Manfred Schreier und seinen Ensembles und mit dem Regisseur Christof Loy herausbrachten. Nach Monteverdis "Poppea" und Mozarts "Zauberflöte" und "Don Giovanni" schloss diese Reihe 1996 mit Philip Glass' "The Fall of the House of Usher".

1990er: Gustav Mahlers Sinfonien in der Stuttgarter Stiftskirche

Gustav Mahlers Sinfonien standen in den 90er Jahren im Mittelpunkt einer Konzertreihe zu Karfreitag in der Stuttgarter Stiftskirche, die Manfred Schreier noch als Bezirkskantor gegründet hatte. Diese Serie beschloss er 1998 mit Mahlers 7. Sinfonie.

1990er-2003: Etablierung der Kammerensembles

Die beiden Ensembles von Musik der Jahrhunderte – das Junge Philharmonie Orchester (später Ensemble Varianti) und die Neuen Vocalsolisten – weiteten in den 90er Jahren ihre Spezialistentätigkeit auf dem Gebiet der neuen Musik kontinuierlich aus und intensivierten ihre europaweite Karriere.

Dabei haben sich die Neuen Vocalsolisten vor allem in der kammermusikalischen Besetzung von drei bis sieben Sängern einen Ruf als Spitzenensemble erarbeitet. Seit dem Jahr 2000 agieren die sieben Sänger als künstlerisch selbstständiges Kammermusikensemble für Stimmen und arbeiten stets ohne Dirigent. Die zahlreichen Aufträge, die Musik der Jahrhunderte sowie europäische Festivalveranstalter für die Neuen Vocalsolisten an unterschiedlichste Komponisten weltweit erteilt haben, führten zu einer rasanten Entwicklung und Ausprägung eines neuen Genres: der vokalen Kammermusik und vor allem des vokalen Kammer-Musik-Theaters, als dessen herausragende Vertreter die Neuen Vocalsolisten nun weltweit unterwegs sind.

Parallel zur Etablierung des Stimmen-Ensembles gingen die Aktivitäten des Instrumentalensembles zurück. Im Jahr 2001 wurde die Arbeit des Ensembles Varianti eingestellt. Einige Mitglieder, die dem Ensemble über lange Jahre hinweg verbunden waren, gründeten im Jahr 2003 das Ensemble ascolta, dem Musik der Jahrhunderte seither durch die Zurverfügungstellung von Räumen und Instrumenten sowie durch Beauftragung Unterstützung angedeihen lässt.

1993: Gründung des Festivals METAPHER

Im Jahr 1993 wurde in Zusammenarbeit mit dem SWR das Festival für Neue Vokalmusik METAPHER gegründet, das bis 1999 alle zwei Jahre die neuesten Entwicklungen in der Komposition für Stimmen vorstellte.

1994: Beginn der Konzertreihe noise

1994 entstand aus der Fusion mit musica nova die Konzertreihe noise, deren Schwerpunkte auf ethnischer und elektronischer Musik sowie auf der Vorstellung Stuttgarter Komponisten lag. Federführend bei der Programmierung war der Stuttgarter Komponist Ulrich Süße.

1997: TAGE FÜR NEUE MUSIK werden zu ECLAT

1997 wurde die Konzeption der TAGE FÜR NEUE MUSIK grundlegend geändert, gleichzeitig erhielt das Festival den neuen Namen ECLAT.

2000: Ende der Projekte KOORDINATEN, noise und METAPHER

Im Jahr 2000 wurden die verschiedenen Projekte KOORDINATEN, noise, METAPHER eingestellt zugunsten einer Programmatik, die auf das Festival ECLAT und auf markante Projekte im Verlauf einer Saison fokussiert und die Entwicklung der Neuen Vocalsolisten fördert.

2001: Manfred Schreier zieht sich aus künstlerischer Leitung zurück

Im Herbst 2001 zog Manfred Schreier sich aus der künstlerischen Leitung von Musik der Jahrhunderte zurück, um sich seiner freien Dirigententätigkeit und seiner Hochschulprofessur zu widmen.

2003: Musik der Jahrhunderte zieht auf den Pragsattel

Im April 2003 bezog Musik der Jahrhunderte zusammen mit dem Theaterhaus Stuttgart ihre neu erbauten Spielstätten auf dem Stuttgarter Pragsattel. Ihre Aktivitäten erweiterten sich dadurch erheblich: Musiktheater, Konzertreihen, Festivals, das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Disziplinen, Kurse, Workshops und Diskurse machen den Pragsattel zu einem Zentrum der Innovation in Europa: ein "Think-Tank", Labor und Kreativ-Pool für Neue Musik. Durch den neuen Standort ergeben sich für Musik der Jahrhunderte großzügige Perspektiven. Einerseits findet die Institution an dieser Stelle nun die adäquaten Spielstätten für die höchst anspruchsvolle Aufführungspraxis Neuer Musik. Andererseits provoziert die Nähe zu anderen Kunstgenres Synergien und auch Reibungen, die unterschiedliche kulturelle Bedürfnisse ansprechen und den innovativen Anspruch Stuttgarter Kulturpolitik unterstreichen.

2006: Veranstaltung des ISCM World New Music Festivals

Im Auftrag der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik ISCM und ihrer deutschen Sektion veranstaltete Musik der Jahrhunderte im Jahr 2006 das World New Music Festival mit dem Titel "grenzenlos". Künstler unterschiedlichster Musikkulturen aus über 60 Ländern der Welt gestalteten unter der künstlerischen Leitung der Intendantin von Musik der Jahrhunderte Christine Fischer ein 16-tägiges Programm mit Konzerten, Musiktheater, Vorträgen, Klangkunst, Workshops und einem Kinder- und Jugendkongress zu neuer Musik. Neben dem Theaterhaus, der Reiterkaserne (Forum Neues Musiktheater), der Liederhalle und dem Kunstmuseum wurden auch open air Spielstätten am Pariser Platz und im Killesbergpark bespielt.

2007-2011: Netzwerk Süd und Zukunftsmusik

Im Jahr 2007 gründete Musik der Jahrhunderte gemeinsam mit Kollegen aus der Region das Netzwerk Süd als eines von 15 Vermittlungsprojekten in Deutschland im Rahmen des Netzwerk Neue Musik, einem Projekt der Kulturstiftung des Bundes. Vermittlungsaktivitäten in Zusammenarbeit mit 30 Kommunen der Metropolregion Stuttgart bildeten über vier Jahre einen Schwerpunkt der Veranstaltertätigkeit von Musik der Jahrhunderte. Höhepunkt war im Oktober 2010 das Festival Zukunftsmusik, das Musik der Jahrhunderte gemeinsam mit der KulturRegion Stuttgart in zwölf Städten der Region ausrichtete.